Der Gin-Hype oder der Doppelwacholder-Tonic

Mit dem Doppelwacholder-Tonic kann jeder zu Hause selbst zum Barmixer werden. Foto und © Pfeiffer.

Wißt Ihr noch, wenn der Papa sich früher im Urlaub einen Gin Tonic bestellt hat? Ein normales Longdrinkglas, Eiswürfel rein, zu einem Drittel mit Gordon´s oder Beefeater gefüllt und dazu wurde ein kleines Fläschchen Schweppes Tonic-Wasser serviert, mit dem die Stärke dann selbst gemischt werden konnte. Fertig!

Heute gibt es unzählige Craft-Gins, die mit zahlreichen Gewürzen (Botanicals) verfeinert sind, die Zubereitung in der Bar wird zelebriert und das Spektakel dauert eine gefühlte Ewigkeit. Das Ergebnis ist dann wunderschön anzusehen, allerdings mitunter auch sauteuer, denn alleine die Auswahl des passenden Tonic-Wassers scheint zur Wissenschaft mutiert zu sein. So muss man daheim beinahe ein schlechtes Gewissen haben seinen Gästen einen Gin anzubieten, bei dem die Flasche unter 20 Euro gekostet hat. Einige der neuen Destillen am Gin-Himmel sind dabei längst von Konzernen wie Bacardi und Pernod Ricard übernommen worden, werden aber gerne weiterhin als Independent-Gin aus dem Schwarzwald in Halbliter-Fläschchen ab 30 Euro aufwärts vermarktet.

Daher war ich beim Besuch der Gin-Messe im vergangenen Sommer in Neuss angenehm überrascht, dass sich einige Destillen auf die Ur-Zutat besinnen und selbstbewußt ihren Doppelwachholder vermarkten. Dabei galt der Doppelwacholder doch bis vor kurzem noch als der Schnaps, den alte Herren mit Hut an der Theke im Schnapspinnchen handwarm zu ihrem Bier runtergespült haben.

Wikipedia: „ Gin (von franz. Genévrier: Wacholder) ist eine meist farblose Spirituose mit Wacholder (Wacholderschnaps) und Hauptbestandteil vieler Cocktails, insbesondere des Martini sowie des Longdrinks Gin Tonic.“

Ein guter Drink ist wichtig – keine Frage. Dazu gehört ein gutes Gespräch. Aber mal ganz ehrlich: Das schöne am Doppelwacholder ist doch, dass er nur ein (1) Aroma hat. Im Gin sind neben Wacholder noch viele andere Kräuter und Gewürze dabei, die man meist überhaupt nicht mehr rausschmecken kann. Es spricht also nichts dagegen, seinen Drink erst frisch bei der Zubereitung mit Früchten oder Gewürzen zu verfeinern, etwa mit Zitrusnoten, Gurkenscheiben, Pfeffer, Beeren oder Früchten. Das ganze füllt man dann mit einem solchen Tonic-Wasser auf, das einem auch ohne Gin schmecken würde. So einfach kann das sein!

Mein Tipp: Sich beim Gin nicht vom Preis, einer schön gestalteten Flasche oder der Zutatenliste blenden lassen, sondern eine möglichst hochwertige „Grundspirituose“ wie den Doppelwacholder wählen, und einfach beim Mixen des Drinks frisch verfeinern. Wobei mehr als drei verschiedene Gewürze wirklich keinen Sinn machen. So entsteht im Handumdrehen ein frischer und individueller Doppelwacholder-Tonic 😊.

Noch ein Tipp: Die Frau / der Mann von Welt benutzt heute anscheinend Kelch statt HiBall ;-). Der Stielglaspokal hat sich in vielen Bars als Gefäß für Gin Tonic durchgesetzt und somit den Longdrinkbecher vielerorts abgelöst.

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Foto und Copyright Pfeiffer.